An diesem Wochenende finde sie statt: Die Schwule Messe, welche am 23. und 24. Februar für jeweils 10 Stunden ihre Tore in der Messehalle Hamburg-Schnelsen öffnet.

Viele stellen sich nun die Frage, was man auf einer solchen „Schwulen Messe“ zu erwarten hat. Die einen sagen, dass sie schlichtweg überflüssig ist, die Anderen hingegen vermuten nur wieder eine Möglichkeit für die Industrie sich in die Köpfe der Besucher einzukaufen.

Wir haben daher einmal recherchiert. Der Blick auf die Messehomepage verrät jedoch interessante Details. Rund 60 Aussteller aus den unterschiedlichsten Branchen wollen sich auf ca. 2.000 Quadratmetern präsentieren. Darunter auch einige große Firmen von denen man nicht unbedingt erwarten würde, sie auf einer solchen Veranstaltung anzutreffen. Aber auch zahlreiche szenetypische Vereine und Läden sind vertreten.

Interessante Projekte wie das Schwule Museum zeigen, dass man sich bei der Auswahl der Aussteller um eine vielseitige Präsentation der Szene bemüht hat. Zumal der CSD, dessen ursprünglicher Anspruch es früher war zu demonstrieren, in den Augen vieler zu einer beliebten Werbeplattform für Getränkehersteller & Co. geworden ist. Das eigentliche Ziel zu zeigen, dass Lesben und Schwule ganz normale Menschen sind und als solche akzeptiert werden sollten, geht so oft verloren.

Das Rahmenprogramm wurde in Kooperation mit TV-Programmen aus Berlin und Wien entwickelt und soll auch ernste Themen wie Benachteiligung, Politik für Schwule und Aids (Prävention) in Diskussionsrunden aufgreifen. Mit Landes- und Bundespolitikern, sowie Vertretern von Presse und Wirtschaft soll auch die Stimme der Besucher gehört werden. Es scheint als könnte die Messe zu einer ernst zu nehmenden Alternative werden.

Der Spaß soll aber trotzdem nicht zu kurz kommen, so versprechen die Veranstalter: Workshops und Kennlernstunden im Gruppenraum, Filme und Berichte im Messekino, sowie weitere Highlights wie die Warm Up- und After-Fair-Party. Zahlreiche Gesichter aus Rundfunk & TV wollen in die Hansestadt kommen und selbst Hamburgs amtierender Bürgermeister Ole von Beust wünscht der Messe „viel Erfolg.“

Zum Sinn dieser Messe äußerten sich die Veranstalter in den letzten Tagen wie folgt: „Es geht nicht darum sich als Homosexueller mit einer eigenen Messe abzuschotten, ganz im Gegenteil: Jeder, egal welche sexuelle Orientierung er haben mag ist zur Schwulen Messe eingeladen. Wir wollen die speziellen Themen und Probleme von Schwulen und Lesben beleuchten und im Dialog das schaffen, was Kritiker auf manchen CSD-Veranstaltungen vergeblich suchen. Wir möchten den Begriff „schwul“ auf den Boden der Tatsache herunter holen und hoffen der Öffentlichkeit mit dieser Veranstaltung zu zeigen, dass Homosexuelle eben nicht immer dem Bild entsprechen, das viele Medien gerne publizieren, „Kampflesbe“ oder „Schwuchtel“ gehören heute auf vielen Schulhöfen zu den gängigen Beleidigungen, was mehr als traurig ist, obwohl der Lebensstil von Homosexuellen keine großen Unterschiede zu denen von Heterosexuellen darstellt. Lediglich die Bedürfnisse unterscheiden sich in gewisser Weise.
Wir möchten versuchen durch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Vereinen und einen hohen Anteil an Kunst und Kultur nicht nur der Szene selbst zu zeigen, dass mehr hinter ihrem Ruf steckt. Daher haben wir uns auch ganz bewusst für ernste Konfliktthemen auf der Fernsehbühne entschieden. Doch natürlich soll auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Wir werden uns bemühen ein gutes Gleichgewicht zwischen Kultur & kommerziellen Anbietern zu finden.“

Jeder hat am Wochenende selbst die Möglichkeit sich davon überzeugen.

Tim Beckmann
c/o GayNews
Birkbuschstrasse 14
12167 Berlin



Author:
admin
Time:
Donnerstag, Februar 21st, 2008 at 14:52
Category:
Tratsch
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